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Anhaltende Inflation, steigende Zinsen und hohe Aktienbewertungen sorgen für steigende Nervosität vor einem Börsencrash. Einerseits hoffen Anleger, dass die sich seit Frühjahr 2020 laufende Aufschwung fortsetzt, andererseits besteht die Angst, dass jede Minikorrektur die Trendwende einleitet. Die Corona-Pandemie spielt in dem jetzigen auf und ab jedenfalls einen ausschlaggebende Rolle.

Die Immobilienpleite des Konzerns Evergrande im Oktober 2021 schockiert nicht nur die chinesische Wirtschaft – auch Aktienmärkte waren zunächst besorgt vor einer Kettenreaktion. Diese hat sich bisher nicht gezeigt, allerdings spricht im Moment einiges für einen drohenden Börsencrash

Die Zinswende wirkt sich auf die Aktienmärkte aus

Das jahrelange Profitieren der Aktien- und Immobilienmärkte von sehr niedrigen Zinsen durch günstiges Notenbankengeld hat ein Ende.

Zinswenden haben erfahrungsgemäß für Aktienmärkte große Auswirkungen und alleine die Erwartung auf steigende Zinsen führt zu fallenden Kursen. Dies geschah zum Beispiel 2018 in den USA, wo der Zehnjahreszins in kurzer Zeit von 1,6 auf 3,2 Prozent anstieg. Die Aktienkurse fielen darauf hin um mehr als 20 Prozent. Die hohen Inflationszahlen machen die Zinswende insbesondere spürbar. Insgesamt ist es ratsam, einen langfristigen Blick für die eigenen Anlagen zu wahren. Die Inflationsrate in Deutschland liegt derweil bei 5,2%, der höchste Stand seit Ende 1993. In der Euro-Zone sieht es ähnlich aus: Die Verbraucherpreise stiegen im November 2021 auf 4,9 Prozent an, deutlich über dem Ziel der Europäischen Zentralbank von 2,0 Prozent und 0,8 Prozent mehr als noch im Oktober. Die Zinswende deutet sich an und das Risiko für Aktien und Immobilienmärkte steigt weiter an.

Das Ende der Sonderkonjunktur

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind weiterhin zu spüren und in den Volkswirtschaften bleibt das Wachstum einer den Erwartungen zurück. Deutschland meldet für das zweite Quartal diesen Jahres nur ein Wachstum von 1,6 Prozent, in Frankreich sind es sogar nur 1,1 Prozent. Wie der ZEW-Index der Konjunkturerwartungen zeigt, liegt das Stimmungsbarometer im November auf 31,7 Punkten, was eine kleine Steigerung gegenüber dem Vormonat ist, allerdings im Gesamtblick nicht besonders vielversprechend aussieht. Noch im Mai 2021 hatte der Indikator seinen höchsten Stand seit langem erreicht. Seitdem ging es praktisch nur abwärts. Grund dafür sind unter anderem der Chipmangel im Fahrzeugbau und der Ressourcenknappheit.

Auch in China und den USA sind die Indikatoren und Prognosen eher verhalten. Die Einzelhandelsumsätze in China bleiben wie das Wachstum der Industrieproduktion hinter den Erwartungen zurück. In den USA verliert die Konjunktur an Dynamik, mit einem nur moderatem Wachstumstempo.

Die Aktien sind so teuer wie selten zuvor

Die Aktienkurse sind seit des Corona bedingten Tiefs im Frühjahr 2020 rapide und stark angestiegen, ohne eine richtige Korrektur. So stieg zum Beispiel der Nasdaq-Index für Technologiewerte innerhalb von anderthalb Jahren von 7000 Punkten auf aktuell 15,000 Punkte, und hat sich damit mehr als verdoppelt. Auch der MSCI-World-Index liegt mit etwa 3000 Punkten auf einem Rekordniveau. Nach anderthalb Jahren Corona-Pandemie und dem damit einhergehenden Boom ist möglicherweise jetzt die Zeit für eine Korrektur. In Asien zeigen die Börsen bereits seit einiger Zeit rückläufige Tendenz.

Die sogenannte “margin debt”, welche einen Geldbetrag beschreibt, den sich Anleger gegen Zinsen leihen, um Wertpapiere zu kaufen, scheint ein weiterer Grund zur Sorge. Dieser hat nämlich ein Level von 936 Milliarden Dollar erreicht, welches eine Steigerung von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr ist. Im den letzten 25 Jahren ist das nur dreimal passiert. Zum einen kurz vor dem Platzen der Dot-Com-Blase, zum anderen vor der Finanzkrise und ein jetzt. Der zuvor genannte Wert beschreibt, dass zurzeit fast eine Billion Dollar Wertpapierkredite derzeit ausgegeben sind und dementsprechend hoch ist das Risiko für drohende Notverkäufe.

Eine Kettenreaktion ist nicht unrealistisch

Obwohl der Börsencrash schon kurz nach der Insolvenz des Immobilienkonzerns Evergrande in China prophezeit wurde, ist derzeit noch nichts passiert. Allerdings ist eine Kettenreaktion auch zum heutigen Zeitpunkt nicht auszuschließen. Die Firma Evergrande ist in großen Zahlungsschwierigkeiten und warnt vor beispiellosen Problemen. Der Immobilienkonzern ist nur mehr als 300 Milliarden US-Dollar hoch verschuldet und Kreditausfälle im Bankensystem in Folge dessen scheinen realistisch. Insgesamt hat sich in China eine gewaltige Immobilienblase gebildet und diese droht nun nach Jahren des Booms zu platzen. Wie auch bei anderen Großkonzernen sind die Beteiligungen von Evergrande an mehr als 200 Tochterunternehmen verteilt. Die Kredite und gegenseitigen finanziellen Verpflichtungen lassen sich nur schwer durchschauen, wenn man die Anzahl der involvierten berücksichtigt, ist das kein Wunder. Fest steht, dass der Zusammenbruch des Konzerns auch viele der beteiligten Unternehmen mitziehen würde. Dies betrifft auch viele Kleininvestoren und Wohnungskäufer, die wie es üblich ist, bereits Vorkasse für Wohnungen geleistet haben, die noch nicht gebaut wurden und in Zukunft auch nicht fertiggestellt werden.

Nach dem Börsencrash ist vor dem nächsten Aufschwung

Zusammenfassend kann man allerdings sagen, dass ein Börsencrash aber auch die natürliche Korrektur der Märkte begünstigt und die Chance für einen Neuanfang bietet. Zudem erholen sich die Märkte langfristig gesehen auf ein höheres Level als vor dem Zusammenbruch. Wichtig ist in jedem Fall ein langer Atem und der Blick für das langfristige Investment. Es lohnt sich, verschiedene Anlagestrategien zu berücksichtigen und darauf basierend die Entscheidung über die richtige Anlage zu treffen.


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